Theatergruppe - Spielburger e.V.
Die Presse zu Chiozza

 

(SCHWENDI/sz) Tratsch, Weibergeschrei, Eifersüchteleien und wild gewordene Fischer: Mit dem Stück „Krach in Chiozza“ brachte das Theater Erbach ordentlich Streit auf die Seebühne am Schwanenweiher – allerdings mit glücklichem Happy End für die zwölf Schauspieler. Von unserem Mitarbeiter Bernd Baur „Wenn wir Frauen nicht reden können, platzen wir“: Eine Erkenntnis, die offenbar ortsunabhängig ihre Gültigkeit hat. Auf jeden Fall gilt sie für das kleine italienische Fischerdörfchen Chiozza. Wenn sich dort auf der Piazza die Frauen treffen, um die Heimkehr ihrer Männer vom Fischfang zu feiern, ist Tratsch und Klatsch angesagt. Umso mehr, wenn sich Toffolo, dem junge Frauen allzu gut gefallen, in der Runde wohl fühlt. Mit Gekreische und Jubel wurde Toffolo (Niklas Meyer) von den Frauen in Empfang genommen, als er am Sonntag stilecht mit einem kleinen Ruderboot über den Schwanenweiher paddelte und so die Einstiegsszene für das fast zweistündige Theaterstück am Sonntag Abend lieferte. Anzeige Weil Toffolo aber Lucetta (das Plabbermaul), die eigentlich schon Titta Nane (der Heringsschwanz) versprochen ist, schöne Augen machte und ihr eine Melone spendierte, nahm das Geschwätz seinen Lauf. Zickengefechte wurden auf der Bühne ausgetragen, Geschrei durchschnitt die Abendstille, mit Geschwätz wurden Eifersüchteleien angestachelt. Und alles wurde natürlich den heimkehrenden Fischern gesteckt, die daraufhin selbst wild wurden und mit Messer, Säbel und Steinen aufeinander los gingen. Reichlich Aktion also auf der Bühne, bei der sich die zwölf Schauspieler der Theatergruppe „Spielburger“ so richtig ins Zeug legen konnten. Unter der Regie von Marion Weidenfeld gaben sich die Akteure temperamentvoll, mit Mimik und Gestik sparten sie nicht bei diesem turbulenten Stück. Die etwa 70 Besucher am Schwanenweiher hatten ihren Spaß. Ganz schnell entpuppte sich bei den Zuschauern dabei der Fischer Fortunato (Anton Häuptle) als Lieblingsfigur. Als „Gevater Schnellredner“ hatte er die Lacher auf seiner Seite. Er brachte es glänzend fertig, seinen nuschelnden Redeschwall mit schwäbisch-italienischem Klang rüberzubringen. Mehrfacher Szenenapplaus belohnte dieses Kunststück. Weil ein Gerichtsvertreter letztendlich den „Krach in Chiozza“ aus der Welt schaffen konnte und sich die Streithähne am Ende glücklich und zufrieden in den Armen lagen, war auf der Bühne Versöhnung für alle angesagt. Und die „Chiozottinnen“ wurden als ehrbare Frauen gefeiert – auch wenn sie den Spagat zwischen Mundhalten und Reden nicht immer schafften und durch zu viel Geschwätz für unnötige Verwirrung und überflüssigen Stress sorgten. (Erschienen: 06.07.2010 17:30 in der Schwäbischen Zeitung)

Bild: Schwäb. Zeitung

Neu Ulmer Zeitung, 27.7.09:

Man schlägt sich, man verträgt sich:
Erbach: Muss man hierzulande verzweifeln, wenn man „Open Air“ anbieten will? Es scheint so: Die Proben für Carlo Goldonis „Krach in Chiozza“, einer Ko-Produktion der Laienschauspielgruppe „Spielburger“ und dem Erbacher Theater fand noch unter freiem Himmel statt. Die Premiere musste dann unterm Dach des Erbacher Schlosses stattfinden. So war Fantasie gefragt, um sich zur hitzigen Stimmung des Stücks die hitzigen Temperaturen Italiens vorzustellen. Und die sind es wohl, die dem Völkchen von Chiozza den Blutdruck hochtreiben - so hoch, dass wegen ein bisschen Techtelmechtel der ganze Ort im Dauerzank versinkt. Schuld an allem ist der bedauernswerte Tölpel Toffolo (Niklas Meyer), der doch nur ein bisschen mit den Frauen schäkern wollte. Als deren Männer vom Fischfang auf See zurückkehren, heißt es für Toffolo bald in Deckung zu gehen. Denn die Männer, die Schlimmes argwöhnen, wollen Genugtuung. Das passt der jungen Checca (Eva Rost) gar nicht in die Pläne: Sie würde gerne heiraten. Aber der, den sie möchte, ist vergeben. Und Toffolo, der Checca möchte, kann sich im Ort nicht mehr sehen lassen. Testosteron- und Östrogen-Springfluten prallen da auf die harten Küstenlinien gekränkter Eitelkeiten. Goldonis Komödie „Krach in Chiozza“ hat Stärken und Schwächen. Die Stärken: kauzige Charaktere und handfeste Streitereien, die für reichlich Komik sorgen. Die Schwächen: Manche dieser Streit-Szenen scheinen in Endlosschleifen zu geraten - und wenn die streitbaren Frauen von Chiozza einander zum zehnten Mal „zum Teufel!“ wünschen, wünscht man den Zankhennen eine Familienpackung Valium an den Hals. Obgleich Regisseurin Marion Weidenfeld Kürzungen vorgenommen hat, gibt es Längen. Die aber weiß das Ensemble spielfreudig und mit manch witzigem Einfall aufzufangen. Publikumsliebling ist zweifellos der im Stile Hans Mosers köstlich nuschelnde Fortunato (Anton Häuptle). Er brachte das komödiantische Glanzstück fertig, schwäbisch wie italienisch klingen zu lassen. Dafür gab es mehrfachen Szenenapplaus. Aber auch die Frauen (Angie Glinka als Lucietta, Angela Wingert als Vicenza, Christiane Rost als Pasqua), die einander schonungslos an die Gurgel gehen, werden mit Verve gezeichnet. „Spielburger“-Vorsitzender Walter Bock gibt einen gemütlichen Seebären. Markus Schroth spielt den Granden Isidoro, der Frieden stiften will und an dieser Aufgabe fast verzweifelt, mit italoschwäbischer Gelassenheit. „Krach in Chiozza“ hat viel mit unserer Gegenwart zu tun; betrachtet man sich die recht lächerlichen Hahnenkämpfe der großen Politik, so erkennt man vieles davon im Goldoni-Stück wieder. Hier wie dort menschelt es heftig - aber bei Goldoni gibt es, im Gegensatz zur Realität, reichlich zu lachen und Charaktere, die bei aller Rauflustigkeit sympathisch und nachvollziehbar bleiben. Und natürlich gibt es ein Happy End mit vier Brautpaaren. So schön endet die Realität leider nie.

von Florian L. Arnold

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